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Pilotenbericht



 Ernst Willi


GliderCup, dritter Flugtag, Samstag, 30.Mai 2009:
Unerreichbarer Jaunpass, Bise
und Hammerwetter über dem östlichen Haupt-Alpenkamm.

Schwieriger Start
Grossandrang am morgendlichen Briefing in Schänis. Sechs Doppelsitzer-Besatzungen werden zusammengestellt. Alles, was fliegt, geht heute in die Luft. Bei der Ausschreibung ‚Jaunpass-Einsiedeln’ haben wir diesmal aber zünftig in die falsche Schublade gegriffen. Dass der Jaunpass nicht erreichbar sein würde, wird schon im Schlepp sichtbar. Eine dicke Abdeckung, wie mit einem grossen Käsemesser abgeschnitten, liegt westlich einer Linie vom Urnerland Richtung Bern. Also genau in der Richtung unseres ersten Wendepunktes. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich auflöst, scheint gering. Dazu droht der Flugtag überhaupt nicht herzugeben, was die Wetterprognose verspricht. Mit allerhand Mühe können sich das gute Dutzend teilnehmender Flugzeuge im Raum Oberseetal und am Bisenhang zwischen Pfäffikon und Reichenburg überhaupt in der Luft halten. Eine Inversion auf etwa 2'000 Meter verhindert zudem das Erreichen einer vernünftigen Abflughöhe, um in bessere Gebiete flüchten zu können. Am Funk bleibt es verdächtig still, die früher Gestarteten sind entweder schon so weit weg, dass sie uns nicht mehr hören – oder mit einer frühen Landung beschäftigt? Letzteres wäre die richtige Antwort gewesen, wie sich abends zeigt. Als Sofortmassnahme ziehe ich den Wasserhahn und giesse die Alpenblumen an der mittleren Oberseetal-Krete.

Mit Urs Isler und Markus von der Crone zusammen erwischen wir auf der Nordostseite (!) des Wiggis einen dünnen Aufwind, der als Bise-/Hangwind die Inversion um etwa 200 Meter durchschlägt. Das reicht, um aus diesem ‚Kochtopf’ namens Oberseetal zu entwischen. Zusammen gleiten wir nach Westen, der Abdeckung entgegen. Markus wählt einen nördlicheren Weg, ich versuche es weiter in den Voralpen, den Südkreten entlang. Wir treffen uns am Ende knapp über den Hügeln des Alpthals in einem engen 1-Meter-Aufwind, der uns wieder auf 1'900 Meter hebt. Markus segelt optimistisch gen Rossberg und Rigi. Tatsächlich wird die Situation langsam besser, bis zum Verkehrshaus in Luzern kommen wir problemlos voran. Auf dem Zugersee stehen die Segelboote schräg in der offensichtlich starken Bise wie die Teilnehmer der Vendée-Globe-Segelregatta im Südatlantik. Trotzdem ist es oben an der Rigi ruhig. Mysteriös.

Kein Durchkommen nach Westen
Nach Westen sieht die Lage dann vollends düster aus. Am Pilatus kleben auf der Nordostseite ein paar dünne Wolken, über dem Entlebuch ist es ‚noch Nacht’. Die ersten sichtbaren Wolkenfetzen hängen westlich von Sursee. Das wird wohl definitiv nichts mit dem Jaunpass heute... Das bedeutet für unseren GliderCup, dass es vermutlich nicht mehr darum geht, die heutige Aufgabe zu vollenden, sondern mit möglichst langer Distanz zu punkten. Wir entschliessen uns deshalb zu einem Strategie-Wechsel. Wir brechen diese Übung über dem Verkehrshaus Luzern ab, um keine Aussenlandung zwischen Luzern und Thun zu provozieren. Bei der Gelegenheit schiesst mir auch noch durch den Kopf, dass ich ja mein Portemonnaie im Auto liegen gelassen habe (tolle Startvorbereitung!). Nur mit dem Handy bewaffnet ist es dann doch schwierig, aussenzulanden...

Eine Insel ‚guter Luft’
Der Weg zurück in die Voralpen läuft problemlos. An den Mythen bei Schwyz erreichen wir unter den zerrissenen Wolkenfetzen 2'000 Meter, das reicht, um über dem Hoch Ybrig eine Etage höher zu klettern: bis auf 2'300 Meter gehen die Aufwinde bei der Bergstation jetzt. Markus wählt einen andern Weg und saust zielstrebig über die Kreten des Muotathales, um dann Richung Nordosten über das Wägital die Linthebene zu queren. Er kann beim Regelstein wieder einfädeln, fliegt noch bis an den Säntis und landet danach früh.

Damit entgeht ihm und seinem Passagier allerdings der spannendere Teil des Fluges. Beim Einflug ins Klöntal ist eine andere Luftmasse erkennbar. Saubere, klare Kaltluft. Die Wolken haben eine klare Struktur, dunkle Böden und kleben ‚astronomisch’ hoch. Nach Osten sieht es prächtig aus. Ich drehe im Klöntal so hoch hinauf wie es geht (wieder 2'300 Meter) und schleiche den Kreten entlang ins Sernftal. Am Gufelstock kann ich auf 2'000 Metern in einem 2-Meter-Aufwind auf der Ostseite etwas dazunehmen und erreiche den Bützistock weit unter der Krete. Vor wenigen Wochen sind wir hier noch mit den Tourenskis auf dem ‚Sunnähöreli’ gestanden und haben den Pulverschnee genossen. Heute geniesse ich ganz auf der Ostseite den ersten 3-Meter-Aufwind. Der trägt mich komfortabel auf 2'800 Meter hinauf. Das sind ja völlig neue Perspektiven. Der Rest ist dann schnell erzählt. Ich hüpfe wie sonst im Hochsommer den Wolken über dem Ringelspitz, über den Fideriser Heubergen und dem Jakobshorn nach ins Engadin. Hier steht die Basis auf über 4'500 Meter. Booaaahhh! Der Aufwind des Tages steht auf der Südseite von Fuldera im Münstertal. Er trägt mit über 5 Metern pro Sekunde auf 4'500 Meter hinauf. Die Wetteroptik in Richtung Tonalepass und Meran sieht hervorragend aus. Welch ein Gegensatz zu der Luft im Raum Luzern!

Südtirol statt Jaunpass
Am Funk sind Mike Schwitter (OI) und Markus Gemperle (FT) zu hören. Sie sausen durch’s Südtirol in die Dolomiten. Dahin möchte ich auch gern. Mit meiner astronomischen Höhe bin ich zwar subito in Meran. Der Nordwind nimmt hier aber spürbar zu und zerreist die Thermik. Die Wolkenbasis ist etwa 1'000 Meter tiefer als in den Hochalpen, das ist aber noch immer komfortabel hoch für Südtiroler Verhältnisse. Hier habe ich von Lienz aus schon deutlich tiefer herumgeturnt – da musste ich allerdings am Ende auch nicht über die Alpen zurück nach Schänis. In den Sarntaler Alpen stehen noch immer verführerisch die Wolkenbänder Richtung Osten, die Oberkanten abgeschliffen vom Nordwind – ob es da etwa wellt?. Mike wendet irgendwo mitten in den Dolomiten. Ich denke wieder an mein Portemonnaie. Und den fehlenden Personalausweis, der genau genommen auch da drin ist. Der Grenzübertritt von Italien in die Schweiz ist bestimmt in der Luft einfacher. Ich wende also in Meran. Dann eben ‚keine Dolomiten’ heute.

Kanalisierter Nordostwind im Vinschgau
Der Rückweg durch’s Vinschgau ist nicht mehr so einfach wie der Hinweg. Der Nordwind wird durch die hohe Südkrete umgelenkt und kanalisiert. Das führt zu parallel angeströmten Hängen und gehackter Thermik. Wenigstens auf meiner Höhe, ich bin inzwischen noch auf knappen 3'000 Metern. Das ist eine deutlich andere Optik als jene aus 4'500 Metern über dem Ortler. Da hilft nur zurückschalten. In zerrissenen Aufwinden (plötzlich finde ich kein Zentrum mehr) turne ich ein paar Hundert Meter nach oben, um die besser eingestrahlten und angeströmten Hänge bei Prato zu erreichen. Dort kleben auch die schöneren Wolken als hier. Trotzdem nehme ich unterwegs einen unerwarteten Aufwind mitten in der blauen Luft mit. Zum Glück. Das war die Schlüsselstelle am späten Nachmittag. Ohne diesen Bart, der aus einer isolierten Geländemulde kommt, hätte ich meine schönen Wolken am Ortler wohl nicht mehr so leicht erreicht. Darunter ist nämlich später gar kein Aufwind zu lokalisieren.

Dafür geht bei Fuldera wieder die Post ab. Hier sind die Thermik-Tops weiterhin auf 4'500 Metern. Dass man nicht nur in Südfrankreich lange Endanflüge machen kann, beweist die heutige Wetter-Situation. Vom Ofenpass bis nach Schönenberg mache ich trotz meiner kleinen Spannweite keinen Kreis mehr, das Kretenpolieren vom Calanda bis ins Wägital ist trotz erster vereinzelter Schauer das pure Vergnügen. Ich nenne diese rassige Strecke durch die Glarner Alpen ‚Ziger-Highway’.

Vom Bisenhang aus 1'100 an den Ortler auf 4'500 Meter
Ausser Adrian Lutz und Roland Hürlimann, die beide auf einer ähnlichen Strecke an den Ortler fliegen, ist es an diesem seltsamen Flugtag den meisten nicht recht gelungen, aus der Inversion in den Voralpen in die deutlich bessere Luft der Alpen einzufliegen. Sie haben sich teilweise stundenlang mit ‚Aufwinden’ geärgert, die in drei Vierteln des Kreises nach unten und auf einem Viertel nach oben gezogen haben. Das Oberseetal ist bei manchen Logfiles flächendeckend grün eingefärbt, wie sich bei der abendlichen Präsentation der Flüge zeigt. Kein Quadratmeter wurde ausgelassen... Eine einzige Durchhalte-Übung. Roland hat ausser seinem Bruder Armin am meisten Ausdauer. Fast zwei Stunden poliert er zwischen Pfäffikon und Reichenburg den Bisenhang. Trotzdem ist es ihm am Schluss gelungen, den Ortler von oben zu sehen.

Tapenade zur Vorspeise
Wie immer rundet ein gemütliches, dreigängiges Nachtessen den GliderCup-Tag ab, während Roland Hürlimann gleichzeitig die Flüge auswertet. Fridli Jacober und seine Monika verwöhnen uns diesmal zur Vorspeise mit selber gemachter ‚Tapenade’ in vier Sorten, der heissgeliebten Oliven-Spezialität aus der Provence. Mit vollem Bauch und dem Kopf voller fliegerischer Eindrücke machen sich kurz vor Mitternacht die letzten GliderCup-TeilnehmerInnen auf den Heimweg.